DAS SCHLOSS WICKRATH

Lage

Schloss Wickrath befindet sich in der früher selbständigen Gemeinde Wickrath. 1975 wurde sie gegen den massiven Widerstand ihrer Bürger in die Stadt Mönchengladbach eingegliedert.
Die Schloßgebäude und die weitläufige Parkanlage liegen östlich des Ortszentrums.
Hier sind Geschäfte sowie öffentliche Einrichtungen, wie das Rathaus, Banken, Post, Schulen und Kindergärten fußläufig zu erreichen. Der Bahnhof Wickrath an der Strecke Aachen-Mönchengladbach-Duisburg liegt weniger als ein Kilometer entfernt. Verschiedene Buslinien halten am Marktplatz. Von dort aus gelangt man über eine Fußgängerbrücke in die Westallee und weiter in den Park. Für Besucher, die mit dem Auto anreisen gibt es den großen Parkplatz hinter dem Flutgraben. Über eine kombinierte Brücke für Fußgänger und Pferde erreicht man den Park.
Die Schloßanlage ist ein besonderer Standort innerhalb des gesamten Niersgrünzuges.

Geschichte und Architektur

Im 9. und 10. Jahrhundert wurde durch Trockenlegung dem sumpfigen Niersgebiet bebaubares Neuland abgerungen. Der erste Schriftnachweis des Ortsnamens Wickrath stammt aus den Jahren 1104/05. In der aus dieser Zeit erhaltenen Lebensgeschichte des Kölner Erzbischofs Anno II wird ein Graf Gerlach als Herr der Burg Wichinrod erwähnt. Vermutlich stand die Burg dort, wo später das Schloß gebaut wurde. Diese Annahme wurde erhärtet als man während der umfangreichen Arbeiten zur EUROGA 2002 in der rechten Vorburg einen alten Brunnen fand, den man heute dort aufgemauert sehen kann .Die erste Anlage war eine von Gräben umgebene Wasserburg.
Die Burg wurde im 18. Jahrhundert vollständig abgerissen. Dafür wurde zwischen den Jahren 1746 und 1772 ein Barockschloss mit einer Vorburg und dazugehörigen Pavillons errichtet. Gleichzeitig legte man eine großzügige Parkanlage nach französischem Vorbild an. Während dieser Arbeiten wurde die Niers in ein anderes Bett gelegt.


Originalaufnahme des 1859 abgerissenen Schlossgebäudes Von der ursprünglichen Schlossanlage sieht man heute nur noch die Vorburg mit den begleiteten Pavillons. Das Hauptgebäude wurde unter großem Protest 1859 wegen starker Baufälligkeit abgerissen. (die Wickrather Bürger und auch Sachverständige waren da anderer Meinung) Das Schlossgebäudes wurde durch das sogenannte Landstallmeiserhaus, in dem der Gestütsdirektor wohnte, ersetzt.

Originalaufnahme des 1859 abgerissenen Schlossgebäudes

 

Im Sommer 1883 brannte der Ostflügel der Vorburg bis auf die Außenmauern nieder. In den Jahren 1883/84 wurde dieser Teil der Vorburg wieder aufgebaut. Der preußischen Staat veränderte dabei die ursprünglichen architektonischen Vorlagen.

Wegen starker Bauschäden, entstanden durch aufsteigende Feuchtigkeit wurde ab 1995 der westliche Vorburgflügel saniert. Die Sanierung umfaßte die Sicherung der Pfeilerfundamente durch den Einbau einer Bodenplatte und durch eine horizontale Mauerwerksisolierung zur Vermeidung des Feuchtikeitsaufstiegs in den Aussenwänden.

Der Nassauer Stall wurde für Veranstaltungen umgebaut, wobei z. B. die eingemauerten Futtertröge belassen wurden und so die ursprüngliche Verwendung sichtbar ist.
Seit der Fertigstellung finden häufig Kunstausstellungen und Vorträge im kleineren Rahmen statt. In den übrigen Räumen und im Nordstall entstanden öffentlich geförderte Wohnungen für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte. Im Rahmen der EUROGA 2002 fielen auch in der östlichen Vorburg umfangreiche Sanierungsarbeiten an.


Schloss Wickrath Schloss Wickrath wurde mitten in der Niersniederung auf zwei Inseln, die durch Aufschichtung von Erdmassen entstanden, gebaut. Die barocke Schlossanlage ist geprägt von einer umfangreichen Gartengestaltung und durch weite Wasserflächen. Die westliche und östliche Vorburg liegen parallel zueinander. Dazwischen befindet sich ein Rondell mit Wasserfontänen. Die Vorburg besteht jeweils aus einem Haupttrakt mit großem Mittelbau und zwei Seitenflügeln. Vom Standpunkt des Springbrunnens aus sieht man auf beiden Seiten der Mittelbauten, deren Schwalmdach mit den achtseitigen Zwiebeltürmchen. Im oberen Dach- bereich sind Reliefs aus Kalkstein mit figürlichen Darstellungen angebracht.

Schloss Wickrath aus der Vogelperspektive - deutlich zu sehen sind die
östliche und westliche Vorburg, das Landstallmeisterhaus und der groß angelegte Schlossgarten.

 

Vom ehemaligen Tiergarten aus, der südlich des Herrenhauses angelegt war, setzte sich die Parkanlage über das Schloßgebäude und die Vorburg, in gerader Linie auf die während des 18. Jahrhunderts angelegte und bis in den Wickrather Busch reichende Bismarckalle, heute Trompeterallee, fort. Eine Brücke verbindet die Vorburg-Insel mit dem Schloss-Areal, auf der anstelle des 1859 abgerissenen Herrenhaus, das Landstallmeisterhaus errichtet wurde. Eingebettet ist Schloss Wickrath in eine fünfeckige, kronenförmige Parkanlage, die eine Grafenkrone darstellt. Die in dieser Form angelegte Gartenanlage ist wohl einmalig im Rheinland. Hauptmerkmale der aus Vor- und Hauptburginsel bestehende Anlage sind die Teiche, der Flutgraben an der Südspitze und die ursprüngliche Niers, die zwischen den beiden Inseln verlief. Nach der Neugestaltung wurde sie in diesem Bereich „Karotte“ genannt. Im Zuge der Umgestaltung wurde die „Neue Niers“ angelegt, die großräumig das Schloßgelände an der West- und Nordseite umschließt. Die Anlage mit Garten und Park werden aus einem natürlichen Gewässersystem gespeist. Darüber hinaus diente das Gewässersystem der Verteidigung. Der Nassauer Stall, als gräflicher Marstall errichtet, ist heute das letzte Beispiel dieses Bautyps.



Reliefs am Wickrather Schloß

Relief des Ostflügels
Der Ostflügel des Wirtschaftshofes diente ursprünglich als Scheune.
Das Relief stellt den durch zwei Greifen durch die Luft gezogenen Wagen
der römischen Göttin des Ackerbaus, Ceres, dar, die ihr Füllhorn mit Früchten
über einen Acker ausleert. Ein Bauer, der hinter einem von zwei Ochsen
gezogenen Pflug hergeht, hebt ihr flehend die Hand entgegen.
Ackerfrüchte, Getreidegarben, landwirtschaftliche Gerätschaften und
zwei Löwen flankieren diese Szene.

Relief 1
Relief des Westflügels
Das Relief des westlichen Mittelpavillons, des ehemaligen Reithauses,
das am Rand von je einem Löwen mit Fahne bzw. Wappenschild oder Spiegel
flankiert wird, zeigt der Überlieferung zufolge Apoll auf einem vierspännigen Sonnenwagen.
Hier stellt sich die Frage, ob die nackte, nur von einem
Gewand umgebene Gestalt, die eine Quadriga durchs Wasser lenkt,
und von Tritonen begleitet wird, nicht eher den Gott Neptun darstellt.

Relief 2

Text aus: Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 65 - herausgegeben von Landeskonservator Prof. Dr. Udo Mainzer
Fotografien: W. Marx

Wickrather Schloßherren in Öl

Zwei beim Auktionshaus Sotheby´s ersteigerte historische Portraits Wickrather Schloßherren sind seit Dezember 2001 in den Räumen des Museum Schloß Rheydt zu sehen. Die beiden knapp zweieinhalb Meter großen Ölgemälde stammen aus einer Reihe von insgesamt fünfzehn Portraits. Die Mönchengladbacher Otto von Bylandt-Gesellschaft hatte die beiden Werke bei einer Versteigerung in Amsterdam erworben. Für die Nachwelt festgehalten sind auf den Ölgemälden der einstige Erbauer des Schlosses von Wickrath, Reichsgraf Wilhelm Otto Friedrich von Quadt zu Wickrath und sein Sohn Otto von Quadt zu Wickrath.

Wickrather Schloßherren in Öl

(aus: Workshop "Ostflügel Schloss Wickrath" vom 4. Mai 2000, Herausgeber Stadt Mönchengladbach)

Fürst zu Quadt-Wykradt-Isny

Fürst zu Quadt-Wykradt-Isny

107. Bertram Otto Wilhelm Friedrich Waldemar, Fürst zu Quadt-Wykradt-Isny, besuchte 1889 Wickrath.
Seine Vorfahren hatten 1794 vor den herannahenden Franzosen über den Rhein flüchten müssen.
1801 wurde Wickrath in die französische Republik eingegliedert.
Durch den Reichsdeputationshauptausschuss vom 25. Februar 1803 erhielten die Grafen Quadt-Wykradt für den Verlust der Herrschaft Wickrath und Schwanenberg die Reichsabtei St. Georg und die Reichsstadt Isny, die zu einer Reichsgrafschaft vereinigt wurden.


Bild aus der Sammlung Wilhelm Kuhlen



Aktualisiert am: 05.08.2013 von webmaster