Kartoffel-Lese –

         Kartoffel-Roden

 

Kartoffel-Lesen war noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts mühsame Handarbeit und wurde vorwiegend von Frauen erledigt.

 

Mit einem Pflug ähnlichen Gerät wurden die Kartoffelfelder aufgeworfen und fünf bis sechs Frauen arbeiteten sich Schulter an Schulter voran.Jede hatte einen Weidenkorb, auch Aepelsbrattsch genannt, räumte das Kartoffelstroh zur Seite, buddelte die Kartoffel aus der Erde und legte sie in den mitgeführten Korb. Den vollen Korb ließen sie stehen  und man warf ihnen schon vorher einen neuen Korb in die Reihe.

Das Leeren der Körbe wurden vom Bauern erledigt. Die  Kartoffeln wurden entweder lose auf die Karre geschüttet oder auf der mitgeführten Waage in Säcke verpackt und gleich gewogen.

 

Auf dem Bauernhof wurden die losen Kartoffeln auf dem Tennen-Boden oder in einem anderen dafür geeigneten Raum ausgeschüttet.

Dabei wurde die Pferdekarre aufgekippt.

     

Anschließen oder später wurden die Kartoffeln auf ein Rüttel-Sieb geschüttet. Dabei wurden die kleineren Kartoffeln ausgesondert, meistens als Futter für die Schweine. Die größeren Kartoffeln liefen direkt in Jutesäcke, wurden abgewogen und zur Genossenschaft gebracht.

 

Auch brachten die Bauern ihren Stammkunden die Kartoffeln nach Hause, sogar bis in die Kartoffelkiste im Keller.

Auch das war schwere körperliche Arbeit.                                                              

 

Kartoffel-Lese, Sammlung Wilhelm Hastenrath

 

Kippkarre und Rüttel-Sieb, Gut Wildenrath, Wanlo

 
 

 

Etwa in den 1950er Jahren war dieser Kartoffelroder schon ein Fortschritt.

Die Kartoffeln wurden freigelegt, es musste nicht mehr gebuddelt werden.

Trotzdem erfolgte die Lese mit der Hand.

Und viele Schüler der damaligen Zeit

haben sich so einen kleinen Verdienst erworben.

 

Aus der Erinnerung, 50 Pfennig Eintritt fürs Kino, Rasiersitz!

 

Text und Foto: Werner Marx

 

Pferd und Ochse vor dem Pflug, nicht immer einfach zu führen.

 

Dieses Foto aus dem Jahre 1943 wurde auf dem landwirtschaftlichen Gebiet Büttgerwald gemacht, was heute zu Willich-Schiefbahn gehört.

Als letztes Aufgebot während des Krieges

mussten die Bauern ihre Pferde abgeben und bekamen im Austausch dafür Ochsen.

 

Foto aus dem Buch von Ludwig Hügen

„Willich-Schiefbahn - So wie es früher war“.

 

 

 
 
 
 

 

 

Wenn man das alles erlebt hat,

und heute die Kartoffel-Roder über den Kartoffelacker fahren sieht, kann man den enormen Fortschritt erst richtig ermessen.

 

Aber wie man auf dem nebenstehenden Bild sieht, ist auch heute noch der Mensch als Team-Arbeiter gefordert.

 

 

Foto: Wickrath 2013 – Werner Marx