Der Vielfraß,

wird auch als Gierschlund bezeichnet.



Ein Monstrum viel größeren Ausmaßes bewegt sich langsam, aber unaufhörlich auf unsere südliche Stadtgrenze zu. Ein Sicht- und Grenzwall kappt hinter dem Ortsteil Wanlo Jahrhunderte alte Wege in die umliegenden Nachbargemeinden. Da nach neuesten Meldungen das Tagebau-Gebiet Garzweiler II verkleinert wird, sollte man das gesamte Quellgebiet bzw. den Waldbestand der Niers am Ortseingang von Kuckum erhalten. Das wäre kein großer Geländeverlust für Rheinbraun. Aber ein Gewinn für unsere Landschaft. Das Haupt-Quellgebiet der Niers lag vor dem Abraum in Kuckum, einem Stadtteil von Erkelenz und beim „Klocken Sprung“ in Keyenberg.





Abraumkante von Rheinbraun bei der schon geräumten Ortschaft Borschemich




Diese und auch andere Quellen sind heute durch den Braunkohle Tagebau Garzweiler versiegt. Im Oberlauf liegt die Niers zumeist trocken, erst in der Nähe des Keyenberger Sportplatzes gibt es durch die „Köhm“ einen kleinen Zufluss. Durch das ständige Einfließen des Sümpfungswassers von Rheinbraun erhält die Niers ihren „Fluss“ (eine konstante Fließgeschwindigkeit).

Das nebenstehende Bild vermittelt den Eindruck einer intakten Niederrhein-Landschaft unterhalb von Wanlo, dem südlichsten Stadtteil von Mönchengladbach. Aber schon hier wird die Niers durch Sümpfungswasser gespeist.

Welchen Schaden auch dieser Idylle durch den Abbau der Braunkohle in den kommenden Jahrzehnten zugefügt wird, kann man heute nicht vorher sehen.







Kunstlandschaften statt Natur




Blick auf die Kohlekraftblöcke von Rheinbraun


Bis Ende 2012 wurden im Rheinland 31.514,2 ha Land vom Braunkohlentagebau in Anspruch genommen. Davon wurden 22.248,4 ha wieder nutzbar gemacht. 11.839,2 ha wurden wieder für landwirtschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt, 8.433,1 ha wurde aufgeforstet. Für Wasserflächen wurden 819,7 ha bereit gestellt.

Doch bis heute fehlt eine ökologische Gesamtbilanz. Was war vor der bergbaulichen Inanspruchnahme vorhanden? Was ging durch die Tagebaue verloren? BUND für Umwelt, Landesverband Nordrhein-Westfalen

Durch den Abbau von Garzweiler I gingen in Jahrtausenden Jahren gewachsene riesige, Natur und Landschaftsgebiete verloren. Dazu verschwanden idyllische Dörfer mit ihren engen Gassen und Dorfplätzen. Die nach heutigem Standard auf dem Reißbrett entworfenen Dörfern fehlt der Flair vergangener Zeiten. Neben dem Verlust der fruchtbaren Ackerböden wurde zudem tiefgreifend in den Grundwasserhaushalt eingegriffen. Quellen verlagerten sich, Flüsse trockneten aus oder wurden komplett abgegraben. Nach Auffassung des BUND sind die gravierenden Eingriffe in Natur und Landschaft nicht ausgleichbar.





Abraum-Gebiet Garzweiler I bei Hochneukirch


Fotos: Werner Marx


Auch wenn die abgetragene Erde für Neulandböden zur Rekultivierung verwendet werden, kann die natürliche Bodenvielfalt nicht mehr erreicht werden.-

Auch der Verlust an Waldflächen ist nicht ausgleichbar. Das Ziel, standortgerechte Wälder zu entwickeln, ist ein Experiment, dessen Ergebnis erst die Zeit zeigen wird. Bei Neuanpflanzungen werden bisher vorwiegend Eichen und Buchen gesetzt.

Aufgrund von Nacharbeiten ist der geplante Tagebau Garzweiler II durch den Bergbau-Betreibenden verkleinert worden. Ursprünglich war ein Flächenbedarf von 68 Quadratkilometern vorgesehen, d. h. Abbaggerung bis zur A 46 bei Erkelenz und Hochneukirch. Jetzt werden noch 48 Quadratkilometer beansprucht.

Vielleicht wäre ohne die vorschnelle Aufgabe der Atomenergie Garzweiler II verhindert worden. Die Umweltaufgaben der Bundesrepublik wären dadurch leichter zu erfüllen gewesen.